Displaced Writers? - Zum kulturellen Selbstverständnis Jiddischer DP-Schriftsteller in Deutschland, von Tamar Lewinsky.

Das Thema des Beitrags ordnet sich in den historischen Kontext der unmittelbaren Nachkriegsjahre ein, als in Deutschland für einige Jahre eine zeitweilige jiddischsprachige Gemeinschaft, die "She'erit Hapletah", entstand. Besonders auf sozialem und kulturellem Gebiet erbrachte die "She'erit Hapletah" erstaunliche Leistungen. Nach der Befreiung nahm die Presse eine zentrale Stellung im Leben der jüdischen DPs ein. So entstanden zwischen 1945-1950 rund 80 Zeitungen und Zeitschriften. Allen Zeitungen gemeinsam war die hohe Priorität, die sie literarischen Texten einräumte. Zusammen mit den rund 30 belletristischen Büchern, die zwischen 1947 und 1949 erschienen, bilden diese Texte eine reiche Quelle zur Erforschung jüdischer kultureller Aktivität im Nachkriegsdeutschland. In dem Beitrag soll die Bedeutung literarischer Produktivität für das Selbstverständnis der Schriftsteller und Journalisten der "She'erit Hapletah" im Allgemeinen und des Schriftstellerverbandes, der zwischen 1946 und 1949 mit Sitz in München existierte, im Besonderen diskutiert und unter den Aspekten von Abgrenzung und diachroner bzw. synchroner Integration in die "goldene keyt" - die goldene Kette jiddischer Literatur - die allmähliche Herausbildung einer Gruppenidentität beschrieben werden. Damit bildet dieser Beitrag eine Art Prolog zum Kapitel "Literatur, Kunst und Kultur", indem die Literatur einer Gruppe dargestellt wird, welche zwar die Auseinandersetzung mit Deutschland ablehnte, gleichzeitig aber durch ihre Territorialität geprägt war.

Tamar Lewinsky M.A. (München), Studium der Linguistik, Hebraistik, Jiddistik, Jüdischen Studien und Germanistik in Zürich, Jerusalem, Duisburg und Düsseldorf. Zur Zeit Lektorin für Jiddische Sprache am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.