Als jüdische Minderheit in einem "ganz normalen Volk" - Die Walser-Bubis-Debatte 1998, von Susanne Schönborn.

Die Walser-Bubis Debatte 1998 ist im Kontext der Umbruchssituation zu sehen, in der sich die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik zur Zeit befindet und in der sie um ihre Identität ringt. Diese Umbruchssituation wird unter anderem von dem so genannten Normalisierungsdiskurs bestimmt, mit dem sich, nach Meinung von Mitgliedern des Zentralrates, in Deutschland lebende Juden in den letzten Jahren verstärkt konfrontiert sehen und in dem sie den Versuch erkennen, einen Schlussstrich unter die Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit zu ziehen. Teil dieses so genannten Normalisierungsdiskurses ist die Walser-Bubis-Debatte 1998, in der das historische Selbstverständnis und die Grundlage des kollektiven Gedächtnisses der "Berliner Republik" diskutiert wurde. Im Laufe der Debatte wurde immer mehr auch das Verhältnis zwischen Juden und nichtjüdischen Deutschen thematisiert. Der Beitrag richtet den Blick vor allem auf die Partizipation von Juden in der Debatte und deren Reaktionen auf die sich in der Debatte manifestierenden Momente der Exklusion und des Antisemitismus. Dabei untersucht der Artikel die Frage, welche jüdischen Identitäten sich in der politischen Partizipation von Juden in der Walser-Bubis-Debatte repräsentieren.

Susanne Schönborn M.A. (Berlin), Studium der Geschichte, Philosophie und Jüdischen Studien in Karlsruhe, Heidelberg und Jerusalem. Zur Zeit Doktorandin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin mit dem Thema "Jüdische Identität in der Bundesrepublik Deutschland im Spiegel politischer Debatten".