Jakob Altmaier, MdB - Ein jüdischer Politiker in der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre, von Christoph Moß.

Jakob Altmaier zählt zu der sehr kleinen Gruppe von Juden, die nach dem Holocaust in der jungen Bundesrepublik auf Bundesebene politisch aktiv waren. Seit 1913 der SPD angehörend, hatte Altmaiers jüdische Herkunft in seiner politischen Biographie bis in die 1930er Jahre hinein keinerlei Rolle gespielt. Erst durch die Erfahrung des Holocaust, dem zahlreiche seiner Familienangehörigen zum Opfer gefallen waren, erhielt diese eine größere Bedeutung für ihn. Altmaier verstand sich nach seiner Wahl in den Deutschen Bundestag 1949 explizit als Vertreter jüdischer und israelischer Interessen in der Bundesrepublik. Der Schwerpunkt des Artikels wird nicht allein auf Altmaiers Beitrag zur Aufnahme und zum erfolgreichen Abschluss der deutsch-israelischen Wiedergutmachungsverhandlungen in den Jahren 1951 bis 1953 liegen, der mittlerweile mehrfach beschrieben wurde. Vielmehr sollen auch seine bisher weitgehend unbekannten Aktivitäten als jüdischer Politiker dargestellt werden, um dann der Frage nach zu gehen, welche Faktoren sein Engagement beeinflussten und wie groß seine jeweiligen Handlungsspielräume waren. Es wird sich dabei zeigen, dass Altmaier eine Instrumentalisierung seiner Aktivitäten für andere politische Zwecke nicht immer verhindern konnte. Jüdische Politiker in der Bundesrepublik sind bislang vornehmlich in biographischen Studien Gegenstand der historischen Betrachtung gewesen. Der Artikel möchte dazu beitragen, diese sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene aktiven jüdischen Politiker als eigenständige Gruppe in den Fokus zukünftiger deutsch-jüdischer Geschichtsschreibung zu nehmen.

Dr. Christoph Moß (Essen), Studium der Sozialwissenschaften, Geschichte und Anglistik in Duisburg. 2003 Promotion über Jakob Altmaier an der Universität Mannheim. Zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter im Historischen Archiv Krupp, Essen.