Leon Löwenkopf - erster Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dresden nach der Schoa - Versuch einer Annäherung, von Nora Goldenbogen.

Leon Löwenkopf gehörte zu den herausragenden jüdischen Persönlichkeiten in der Sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR. Seine Biographie, insbesondere seine Flucht im Januar 1953 findet in der bisherigen Forschungsliteratur vorrangig im Zusammenhang mit den antisemitisch geprägten Säuberungen der Jahre 1952/53 Erwähnung. Dieser Zeitraum war für den Lebensweg Löwenkopfs nach 1945 ohne Zweifel die entscheidende Zäsur. Trotzdem ist es mittlerweile mehr als notwendig, einen genaueren und breiteren Blick auf seine Biographie und seine Bedeutung für die Nachkriegsentwicklung nicht nur der Jüdischen Gemeinde Dresden, sondern für die jüdische Gemeinschaft im Osten Deutschlands insgesamt zu werfen. Der Beitrag beabsichtigt, sich der Persönlichkeit Leon Löwenkopf zu nähern und dessen berufliches und politisches Wirken in Dresden seit der Rückkehr im Frühherbst 1945 nachzuzeichnen. Bewusst gelebtes Judentum und große Leidenschaftlichkeit in der Auseinandersetzung mit dem frühen Nachkriegsantisemitismus waren prägnante Seiten seiner Persönlichkeit. Auch deshalb hatte er wesentlichen Anteil an der Neugründung der jüdischen Gemeinde in Dresden im Herbst 1945 und arbeitete sehr ambitioniert als Vorsitzender der Dresdner Gemeinde sowie im Verband der Jüdischen der Gemeinden der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR. Löwenkopfs erzwungene Flucht aus der DDR war letztendlich nicht nur tragischer Verlust der neu erkämpften Heimat, sondern auch tiefgehender Abschied von verratenen Idealen und enttäuschten Hoffnungen.

Dr. Nora Goldenbogen (Dresden), Studium der Geschichte, der deutschen Sprache und Literatur in Dresden. 1976 Promotion mit dem Thema "Flugblätter und Flugschriften in der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges". Zur Zeit Jugendbildungsreferentin und Leiterin von HATiKVA - Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V..