Die Gründung der Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik, von Andreas Brämer.

Nach gescheiterten Versuchen zu Beginn der 1950er Jahre gelang es erstmals, die Vereinzelung der in der Bundesrepublik amtierenden Rabbiner wenigstens ansatzweise zu überwinden. 1957 konstituierte sich offiziell die 'Rabbinerkonferenz in der Bundesrepublik', die sich nicht nur als Forum der berufspolitischen Selbstverständigung begriff, sondern vor allem den Anspruch auf Anerkennung als oberste religiöse Instanz der Juden in Westdeutschland erhob. Thema des Aufsatzes sollen zunächst die mehrfachen Bemühungen um die Gründung der Rabbinerkonferenz während der fünfziger Jahre sein. Der Essay nimmt dabei vor allem die Konkurrenzsituation zu den politischen Gremien der in Westdeutschland lebenden Juden in den Blick. Als problematisch erwies sich, dass weder die Gemeinden grundsätzlich gewillt waren, ihre religiösen Angelegenheiten dem Urteil eines rabbinischen Gremiums zu unterstellen, noch die Konferenz aus dem Schatten des Zentralrates treten konnte, der als offizielle Vertretungsinstanz die eigentliche Schlüsselstellung innehatte. Auch international wurde die Gründung der Rabbinerkonferenz mit Skepsis aufgenommen. Damit stand das Rabbinerkollegium vor Autoritätsproblemen, denen einige der orthodoxen Mitglieder zu begegnen suchten, indem sie ihren liberalen Kollegen entweder die Mitgliedschaft grundsätzlich streitig machten oder aber deren Mitsprache in allen das Religionsgesetz betreffenden Fragen beschränken wollten. Eine streng gesetzestreue Ausrichtung der Konferenz schlug aber fehl, so dass ehemalige DP-Rabbiner aus dem traditionellen Milieu Osteuropas ihre Mitarbeit verweigerten.

PD Dr. Andreas Brämer (Hamburg), Studium der Judaistik in Heidelberg, Jerusalem und Berlin. 1997 Promotion in Judaistik an der FU Berlin mit dem Thema "Rabbiner Zacharias Frankel 1801-1875". 2004 Habilitation in Neuere Geschichte an der Universität Hamburg mit dem Thema "Jüdische Religions- und Elementarlehrer in Preußen 1823/24 bis 1872". Zur Zeit stellvertretender Leiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg.