Zwischen Integration und Ausschluss: Die Rolle der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Kontroverse um das Jüdische Museum Berlin, von Katrin Pieper.

ie Musealisierung deutsch-jüdischer Geschichte beruht nach den nationalsozialistischen Verbrechen zum einen auf der ambivalenten Grundsituation einer nichtjüdischen Museologie des "Jüdischen", zum anderen auf den antagonistischen Gedächtnisbeziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, basierend auf den unterschiedlichen Geschichtserfahrungen. Jüdische Museen in Deutschland sind nicht nur kulturhistorische Zentren deutsch-jüdischer Geschichte und Kultur, sondern zumeist auch nichtjüdische Orte des Gedenkens an die Vernichtung, die nationale Verantwortung für die Verbrechen und die Opfer. Die Kontroverse um das Jüdische Museum Berlin, die während der Realisierung des Museums als offener Konflikt zwischen der Jüdischen Gemeinde Berlin und dem Jüdischen Museum auf der einen Seite und dem Berliner Senat und der Stiftung Stadtmuseum auf der anderen Seite entbrannte, ist ein Beispiel für die "negative Symbiose" zwischen nichtjüdischen Deutschen und Juden nach dem Holocaust. Dem Streit um die Besitzrechte an der Geschichte und die Repräsentation liegen die Gegensätze der Erinnerungen zugrunde. Die Analyse des Konfliktes, der Positionen und des beiderseitigen Rückgriffs auf bestimmte Geschichtsbilder und historisch belastete Begrifflichkeiten offenbart einen symptomatischen Umgang mit deutsch-jüdischer Geschichte in Deutschland. Die konzeptionellen, verwaltungstechnischen und persönlichen Streitigkeiten um das Jüdische Museum im Libeskind-Bau wuchsen zu einer Erörterung der gegenwärtigen Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland an.

Katrin Pieper M.A. (Hamburg), Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Hamburg und Marburg. Zur Zeit Doktorandin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema: Der Holocaust zwischen Geschichte, Kultur und Politik, gezeigt am United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. und dem Jüdischen Museum Berlin.