Deutsch-jüdischer Antifaschismus nach 1945 - Auseinandersetzungen in Nordrhein-Westfalen und der frühen Bundesrepublik, von Cordula Lissner.

Eine Zukunft deutsch-jüdischer Geschichte schien nach der Shoah undenkbar. Nur zögernd kam für die Überlebenden in den ersten Nachkriegsjahren ein Horizont in Sicht, der eine Möglichkeit des Bleibens im Land der Täter umfasste. Auch im Rheinland und in Westfalen gingen Initiativen zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in den ersten Nachkriegsjahren von den Opfern selbst aus. Jüdische und nichtjüdische Überlebende der Konzentrationslager, RückkehrerInnen aus den Exilländern oder aus der Illegalität gründeten lokale Komitees, die erste Hilfen für die Überlebenden organisierten. Auch die ersten Mahnmale wurden von Überlebenden initiiert und errichtet. "Wir kämpfen um die Wahrheit und das Recht" - dieses Zitat aus einem programmatischen Artikel im Jüdischen Gemeindeblatt für die Britische Zone steht exemplarisch für die Debatten nach dem Mai 1945. In den Gedenkdebatten seit Ende der 1980er Jahre reklamiert die deutsche Mehrheitsgesellschaft, sich selbst schon immer am besten erinnert zu haben. Die Nachkriegsgeschichte zeigt dagegen, wie wesentlich die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Engagement jüdischer Überlebender begründet ist.

Dr. des. Cordula Lissner (Leverkusen), Studium der Geschichte und Soziologie in Köln, Düsseldorf und Bielefeld. 2004 Promotion zum Thema 'Rückkehr aus dem Exil nach Nordrhein und Westfalen 1945 bis 1955' an der Universität Düsseldorf. Zur Zeit freie Historikerin und Autorin.